The greatest Muppet-Show ever
- Reinhard Straumann

- vor 3 Tagen
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Ein Eventveranstalter namens FIFA, eingetragen in Zürich als Gemeinnütziger Verein, hat uns am vergangenen Sonntagabend frei Haus eine Show der Superlative geboten. Alles war dabei, was Rang und Namen hatte. Wem beides fehlte, war ebenfalls dabei. Madonna durfte singen, Shakira tanzen. Chris Martin von Coldplay durfte beides. Die koreanische Boygroup BTS präsentierte sich eine gefühlte halbe Minute lang, dann drängte Ted Lasso nach, ehe der Stab an Justin Bieber weitergereicht wurde.
Soviel Glamour in so wenig Zeit – wann hat es das je gegeben? Dann, Höhepunkt jagt Höhepunkt, präsentierten zwei in die Jahre gekommene Fussballstars misslich ausgesuchte und schlecht sitzende Trainingsanzüge. Schliesslich war die Reihe an der Muppet-Show, und zwar gleich doppelt: Miss Piggy und Kermit der Frosch durften ran. Aber jetzt, Schwenk ins Politische, toppten Gianni Infantino und Donald Trump jeden Klamauk, indem sie unfreiwillig die Muppets gaben. Onkel Donald, Präsident des Landes, das hoffnungslos überteuert seine Stadien und Infrastruktur zur Verfügung stellte, wollte nicht einsehen, dass das Siegerfoto nicht dem gehört, der den grössten Reibach gemacht hat, sondern den Siegern des sportlichen Wettbewerbs.
Der FIFA-Präsident rannte durchs Bild und versuchte, den US-Präsidenten aufzuklären. Nichts hätte nutzloser sein können. Donald platzierte sich am Rande des Bildausschnitts, während die spanische Mannschaft dessen Verkehrspolizistentanz parodierten und einzelne sich kaum einkriegten vor Lachen. Spaniens König aber durchschaute die politische Nummer und verweigerte den Handschlag, ebenso ein ganz junger Spieler namens Lamine Yamal, der ihn vermied, so gut es in seiner Rolle ging. Bravo.
Highlight über Highlight in dichtester Folge. So bescherte Gianni seinen Freund Donald, und alle andern Freunde in der Welt durften teilhaben. Sie haben schliesslich auch bezahlt: für masslos überteuerte Eintrittskarten, für die ebensolchen Preise bei Nutzung des öffentlichen Verkehrs, für Hunderte von Dollars für ein Bett in einer simplen Absteige und vor allem für die Pay-TV-Übertragungen. 15 Milliarden hat die FIFA umgesetzt. Ein einträgliches Geschäft für die Stadt Zürich wäre das geworden, hätte die rotgrüne Regierung diesen Verein in die Pflicht genommen wie jedermann.
Nur etwas wirkte leicht störend: Zwischendurch, nach der Show und nach der Zwischenshow wurde beharrlich Fussball gespielt. Wozu? Jedermann hat anlässlich dieses Finals gespürt: Spätestens ab Stufe Halbfinal ist Fussball an seiner eigenen Weltmeisterschaft ein Fremdkörper, der stört.
Der Satz stammt nicht von mir. Georg Kreisler, Altmeister des schwarzen Humors, sang in den 70er-Jahren – zu Mozarts Kleiner Nachtmusik – einen Text, der den Kulturbetrieb des honorigen Bildungsbürgertums persiflierte. Eine kleine Gutenachtmusik: Man geht heutzutage ins Konzert, weil man dort Verschiedenes erfährt. Erstens ist man nicht irgendwo und trotzdem nirgendwo. Man gilt als künstlerisch. Wer ins Konzert geht, hat es schon zu ´was gebracht. So sitzt man da und schaut herum auf das andre Publikum, gruppiert´s im Geiste um. Ja, der Wolferl Amadeus hat sich beim Komponieren ´was gedacht. Und wenn das laute Tuten, Blasen, Fiedeln, Lärmen zu sehr stört, dann bildet man sein eigenes Konzert. Frau Schmidt trägt heut Reseda, die Haut schaut aus wie Leder…
Soweit der alte Tauben- und Kulturbetriebsvergifter. Hätte er Donald Trump und Gianni Infantino noch erlebt – nicht auszudenken, was für Lieder daraus geworden wären. Solche, die uns wenigstens mit dem Sarkasmus gesegnet hätten, diese beiden Muppets seien wenigstens dafür gut gewesen. Gerne erinnern wir uns an dieser Stelle an Kreislers Lied Die sind so mies: Treffender kann man es nicht sagen. Es erübrigt sich, weitere Begründungen zu suchen. Die sind so mies, und so sind alle, die auf Fotos drängen, auf die sie nicht gehören (jedes Lied von Georg Kreisler ist auf YouTube abrufbar – nicht versäumen!).
Mittlerweile labert Infantino bereits von einer Weltmeisterschaft mit 64 Teams. Das wäre ein Drittel der Welt. Immerhin würde das Qualifikationsspiele noch ermöglichen, die auch Geld bringen. Das Finalturnier liesse sich gut und gern auf acht Wochen dehnen und der Umsatz auf den dreissigsten Teil einer Billion. Respekt! Trump wird dann nicht mehr im Amt sein, aber für Infantino ist, wie für alle totalitären Fürsten, kein Ende in Sicht.
Die nächsten Weltmeisterschaften (2030) werden in Saudi-Arabien ausgetragen, das steht fest, und dann wird Afrika dran sein (auch reglementsbedingt: Asien, als letzter Austragungskontinent, sowie Nord- und Mittelamerika als vorletzte fallen satzungskonform aus der Verlosung). Die Stimmen des afrikanischen Kontinentalverbandes für Infantinos übernächste Wahl ins höchste FIFA-Amt sind garantiert. Ja, auch der Gianni hat sich beim Regieren ´was gedacht… Denn in Afrika gibt es nebst Hunger und Krieg auch Reichtum, wenn auch misslich verteilten, beispielsweise im Land des Afrikameisters Marokko und dessen milliardenschweren Königs Mohammed VI. Dessen Jahrgang 1963 lässt vermuten, dass er noch leben wird. Und ansonsten einer seiner Söhne, von denen es wie Sand an den Stränden des Ferienvermarkters mit dem orientalischen Flair gibt.
Fussball dürfte an der WM auch gespielt werden, selbst wenn unklar ist, wofür. Meine Empfehlung: Spätestens ab Stufe Halbfinal verzichten und dafür gleich die Telefonate der Präsidenten aufschalten, da fallen die relevanten Entscheidungen. Wir würden Zeugen von Anrufen wie jenem (vermuteten) des Argentinien-Präsidenten Milei bei Freund Trump mit der Durchsage des Wunschsiegers. Eine kleine Gutenacht-WM tut es ja auch. Der König dürfte aufs Siegerfoto, das keiner sehen will. Und sollte sich ein Greis namens Trump mit seinem von Qatar geschenkten Präsidialjumbo, der ihm dann persönlich gehört (die Milliarde für die Innenvergoldung fällt angesichts seines gesamten Raubrittertums nicht ins Gewicht), ins Bild einfliegen und herumstolpern, dann würde Gianni seines Amtes walten, ebenfalls stolpernd. Und wir hätten wenigstens den Genuss der greatest Muppet-Show ever.
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