top of page

Punktuelle Aufhellungen in Nahost


"The Fog of War" liegt über Palästina. So lautet der Titel der filmischen Memoiren des früheren US-Aussenministers Robert McNamara, der unter den Präsidenten Kennedy und Johnson den Kalten Krieg bestritten hatte, darunter die Kuba-Krise und den Vietnam-Krieg. Der mehrfach preisgekrönte Film zeigt die Läuterung des 85-Jährigen McNamara durch Altersweisheit: die Einsicht, welches Hochrisikospiel er einst getrieben hatte, dem nur durch Zufall und um Haaresbreite nicht die gesamte Menschheit zum Opfer gefallen war.

Der Titel "The Fog of War" geht zurück auf ein Wort des Vordenkers jeglicher Kriegstheorie, Carl von Clausewitz’. „Der Krieg ist das Gebiet der Ungewissheit”, schrieb er 1804, “drei Vierteile derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewissheit. Hier ist es zuerst, wo ein feiner, durchdringender Verstand in Anspruch genommen wird, um mit dem Takte seines Urteils die Wahrheit herauszufühlen.“ Clausewitz meinte also die Summe aller Verdunkelungen, Lügen, Verdrehungen der Wirklichkeit, die zu Kriegen gehören wie das Amen in die Kirche.

Nie war seine Einsicht wichtiger als heute, wo die Propagandamaschinerien der Kriegsparteien mit allen Instrumenten der Täuschung ausgestattet sind, von hochraffinierter Bildbearbeitung bis hin zu Künstlicher Intelligenz, die jegliche Form von Manipulation ermöglicht. Wenn wir den grossen Medien folgen, sind wir der Gemengelage von Halbwahrheiten, Fake-news, alternativen Fakten und Unwahrheiten hoffnungslos ausgeliefert. Das ist seit 20 Monaten in der Ukraine der Fall, und neuerdings trifft es ebenso auf Palästina zu.

In einem Punkt aber haben sich die Umstände seit der Zeit von McNamara gewandelt. Man kann sogar sagen: Gemessen an heute bewegte sich Robert McNamara noch in derselben grauen Vorzeit wie Carl von Clausewitz. Heute nämlich haben wir das Internet und mit dem Internet die Social media. Die können ein Fluch sein, unbestritten, aber sie sind ebenso auch ein Segen. Wer die Zeit hat und sie sich nimmt, nebst den grossen Kanälen auch die kleinen Netzwerke zu durchforsten, der erfährt vieles, was keine NZZ und FAZ schreiben.

Voraussetzung ist die Fähigkeit, Spreu und Weizen zu scheiden. Nebst dem Ausdruck blinder Parteiwut gibt es seriöse Internetportale, die nur der Wahrhaftigkeit verpflichtet sind und die kein anderes Ziel verfolgen, als zu den Mainstream-Medien ein Gegengewicht der Unvoreingenommenheit zu bilden. Zu nennen sind die NachDenkSeiten, der ANTI-SPIEGEL, die UNCUTNEWS oder auch, im Kleinen, die vorliegende Seite www.politischebildung.net. Hier findet man Informationen, über die die grossen Zeitungen und die Öffentlich-Rechtlichen schweigen.

Wer sie verfolgt, für den lichtet sich auch betreffend Palästina die Wetterlage. Zwei Wochen nach dem brutalen Angriff der HAMAS gibt es punktuelle Aufhellungen in der Information. Vielmehr ergibt sich nach und nach ein Bild, auf dem mehr erkenntlich ist als Schwarz und Weiss. Dazu zählen folgende Beispiele.

Erstens: Die Mär von den geköpften Babies. Es handelt sich um eine vom Büro von Premierminister Netanyahu verbreitete Information (Parallelen zur “Brutkastenlüge” aus dem Zweiten Golfkrieg waren schon auf den ersten Blick offensichtlich). Biden und Blinken plapperten die Story nach, der amerikanische Präsident verstieg sich sogar zur Lüge, er habe entsprechende Filme gesehen. Zwei Tage später wurde die Geschichte sowohl von der Pressestelle Netanyahus wie auch vom Stab des Weissen Hauses dementiert. Das kostete die Falschinformanten gar nichts: Die Menschen, die die Horrorstory gelesen hatten, waren entsetzt, der Bild der HAMAS als einer Bande von “menschlichen Tieren” (so der israelische Verteidigungsminister) war gemacht.

Zweitens. Die ganze Welt hat sich gewundert, dass ein hochpotenter Geheimdienst wie der Mossad nichts von den monatelangen Vorbereitungen der HAMAS bemerkt haben will. Tatsächlich wissen wir heute: Der Angriff war angekündigt. Drei Tage zuvor hat der ägyptische Geheimdienst die israelischen Kollegen gewarnt, etwas “Grosses” sei in Vorbereitung. Auch dieser Thematik liegt ein Muster zugrunde: 9/11 respektive die Art und Weise, wie die amerikanische Flugüberwachung damals versagt hat. Dafür gibt es seither einen Begriff: “Let-it-Happen-on-Purpose" (lass es mit Absicht geschehen). Dafür spricht Israels Interessenslage. Das rechtsextreme Regime Netanyahu brauchte einen äusseren Konflikt, um die innere Spaltung zu überwinden. Nach dem Angriff konnte der Premier damit rechnen, dass sich das Land wieder hinter ihm sammeln würde.

Drittens. Cecily Routman, die Präsidentin der Jewish Pro-Life-Foundation, behauptet in einem Interview mit der amerikanischen Journalistin Lauren Witzke gar, Netanyahu habe der israelischen Armee am Abend des HAMAS-Angriffs ein Interventionsverbot über eine Dauer von sieben Stunden erteilt. Als Quelle für diese Aussage nannte sie den israelischen Buchautor und Rabbi Chananya Weissman. Deshalb habe der HAMAS ungestört wüten dürfen. (Da wir zu diesem Punkt keine vertiefenden Informationen haben, lassen wir das hier unkommentiert stehen.)

Viertens. Es zeichnet sich zum Glück nicht ab, dass Netanyahus Strategie Mir-nichts-dir-nichts aufgehen würde. Grosse Bevölkerungsteile in Israel haben jegliches Vertrauen in ihre politische Führung verloren. Die Proteste gegen Netanyahu gehen weiter. Hunderttausende demonstrierten gestern in Tel Aviv und skandierten: Bibi-Mörder. Hierzu fragen wir: Weshalb sehen wir Bilder von solchen Demonstrationen nicht auf westlichen Kanälen?

So sickern Stück für Stück Informationen durch, die wir nicht haben sollten, wenn wir den Mainstream-Medien folgen. Die punktuellen Aufhellungen im Nebel des Kriegs ergeben ein Bild. Jetzt müssen wir nur noch den Mut haben, es zu interpretieren.

68 Ansichten2 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Hand in Hand

Alexander Nawalny ist tot. Er wurde zum Opfer eines totalitären, das Individuum verachtenden Systems. Wie immer er gestorben ist, ob unter der Folter, als Konsequenz unmenschlicher Haftbedingungen, du

Entmündigung

Tucker Carlson, 55jährig, akademisch gebildeter Historiker, hochdekorierter amerikanischer Journalist und Publizist, der von 2016 bis 2023 allabendlich eine Talkshow moderierte, die seinen Namen trug

Wie wenn sie gleichgeschaltet wären

Die Unverfrorenheit, mit welcher deutsche Main-Stream-Medien die eigene Bevölkerung desinformieren, wird umso schlimmer, je tiefer die Zustimmungswerte für die Ampel-Regierung in den Keller sausen. He

bottom of page