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Der Kongress tanzt

Aktualisiert: 8. Dez. 2023

Es ist die hohe Zeit der Bigotterie. Die ist zwar immer, wird man einwenden. Aber dieser Tage geht es nicht um die Heuchelei des Normalverbrauchers, für die es tausend Anlässe gibt, sondern es geht um die Heuchelei in globalen Dimensionen. Der perfekte Anlass dafür ist die COP28 in Dubai (United Nations Framework Convention on Climate Change Nummer 28). Ein Must für die Klimaretter dieser Welt. Sehen und gesehen werden, dabei sein und dazu gehören, wenn die Reichen und die Einflussreichen einander die Hand geben.

Und überdies gibt es bei zehn Kongresstagen auch neun Kongressabende, die mittels Cocktail-Parties und High-Style-Dinners bestritten werden wollen. Endlich Gelegenheiten, die opulenten Föhnfrisuren und designten Klamotten vor die Kameras zu bringen! Die Bürgerinnen und Bürger, die dafür ungefragt hunderttausende von Steuereuros aufwenden, sollen sich als Zaungäste laben dürfen, wenn sich die Könige der Welt über sie lustig machen. (Steuerdollars werden auch aufgeworfen, ebenso Steuerrubel, angesichts von Putins überraschendem Auftritt in Abu Dhabi. Und Steuerfranken? Bundespräsident Bersets Reislein dürfte frisurtechnisch nicht allzu heftig zu Buche geschlagen haben. Bei ihm ist mit Föhnfrisur nix zu machen, sollte man meinen! Aber Olaf Scholz, der aus gleicher Not mit gleicher Ästhetik promeniert, belehrt uns eines Besseren. Er lässt den Bürger die politure chancellière Zehntausende kosten. Mindestens im Pflegepreis muss schon ein Unterschied sein zwischen einer präsidentiellen und einer ganz normalen Glatze.)

Und, ach ja, ein Thema gab und gibt es ja auch. Das Klima. 90‘000 Menschen wurden per Flugzeug – gerne per Privatjet – in den Ölstaat gelotst. 90‘000 Menschen, die sich ganz heftig Sorgen um unser Klima machen. Man sieht das daran, dass viele von ihnen allen anderen, die gerne wieder einmal nach Mallorca reisen würden, mit allem Nachdruck und hochdosiertem Moralin Flugscham einimpfen. Dafür bringen sie aber auch Opfer (natürlich nicht diejenigen, welche die Opfergaben beschliessen, sondern die, die sie bezahlen). Die Politiker opfern bestens funktionierende, kostengünstige AKWs, um für viel Geld Frackinggas in den USA einzukaufen, das eine katastrophale Ökobilanz aufweist, noch schlimmer als die in Deutschland weiterhin verheizte Braunkohle (EU-weit stehen wir beim Frackinggas bei Mehraufwendungen von 185 Milliarden Euro). In Deutschland wird für dessen Verwertung auf der Insel Rügen eine Andockstelle in einer grossen Tourismus- und Naturschutzregion geschaffen. Mal gucken, was davon übrigbleibt.

Auch der Umstand, dass dasselbe Deutschland so wenig in der Ukraine wie in Palästina von Waffenstillstand etwas wissen will und (verbal) immer fest druff haut, müssen wir als nachdrücklichen Nachweis ihrer Sorge um die Umwelt interpretieren. Was alles im Moment zerstört wird, sehen wir täglich im TV; wieviel aber die ärgste aller CO2-Schleudern, die Betonindustrie, an Treibhausgas freisetzen wird für den Wiederaufbau, können wir kaum erahnen. Dafür kommen die amerikanischen Investoren, die ihr Geld bei BlackRock hinterlegt haben, zu einer prächtigen Rendite. Das macht zwar, soviel ist unumstösslich, das 1,5-Grad-Ziel jetzt schon zunichte, aber man kann ja nicht alles haben.

Präsident der Konferenz ist der Chef der nationalen Ölgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, Sultan Ahmed-al-Dschaber. Er hat gleich am Eröffnungsturnier den Tarif durchgegeben: Auf die fossilen Brennstoffe könne auch in Zukunft nicht verzichtet werden. Diese hätten mit dem 1,5-Grad-Klimaziel übrigens auch gar nix zu tun. Damit hat er eine Stossrichtung vorgegeben, die allem widerspricht, was insbesondere Deutschland sich auf die grüne Fahne geschrieben hatte.

Was aber macht die BRD in dieser Situation? Das, was sie immer tut, seit die Ampel dieses Land führt: das, was Amerika von ihr erwartet. Sie zahlt. 100 Millionen für den Umweltschutz von Drittweltländern gleich am ersten Tag. Wie weit dies zum Wohl der Privatschatullen der dortigen Machteliten geschieht, können wir nur mutmassen. Um die geneigte Wählerschaft bei Laune zu halten, versorgt die Aussenminister-Darstellerin Baerbock, wie immer gut gestylt und frisiert, sie mit den latest news: „Klimapolitik ist mehr als Umweltschutz. Sie ist unser Weg hin zu Innovation, Gerechtigkeit und Sicherheit. Deshalb bündeln wir die Klimaaussenpolitikstrategie. Und wir senden ein Zeichen in die Welt, dass wir vorangehen.“

Das soll wohl das neue Zauberwort sein: Klimaaussenpolitikstrategie. Was der von aussen kommende Beobachter der Szene aber wahrnimmt (wenn er gelernt hat, dass zwei und zwei vier sind und wenn er nicht nur der Main-Stream-Berichterstattung folgt): Dieses Zauberwort ist eine hohle Nuss, in der der Euphemismus zur Lüge wird. Sie enthält mit Sicherheit keinen Umweltschutz, keine Innovation und erst recht keine Gerechtigkeit und Sicherheit. Sondern höchstens die letzte verbliebene Vision der grün Bemäntelten: sich immer brav hinter den Schultern von Uncle Sam resp. Old Joe zu verstecken.

Es bräuchte nur ein Mü an historischen Kenntnissen und Bewusstsein, um zu erkennen, dass man sachlich falscher und dümmer nicht handeln kann. Aber leider bedürfte es daneben zusätzlich eines Masses an Persönlichkeit, an politischer Statur und an Mut. Nirgendwo jedoch hapert es mehr als hierin. Die BRD (unter der Ampel) sowie die EU (unter Frau von der Leyen) wird von einem Häuflein amerikahöriger, charakterloser Warmduscher regiert.

Währenddessen tanzt der Kongress. Diese Zeile geht bekanntlich auf den Wiener Kongress von 1815 zurück, als die Herren Metternich, Talleyrand etc. mehr geschwoft als getagt haben. Es hat gereicht, um Europa eine (zwar fatal sozialkonservative) Ordnung zu verpassen, aber eine solche, die für 50 Jahre den Frieden garantierte. Kann man mehr verlangen? Das war zu einer Zeit, als die Politiker ihre Frisuren, ihr Styling und dasjenige ihrer Damen noch aus eigener Tasche bezahlten.

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